Weil es gar nicht so einfach ist, über ein solches Thema wie Psychedelika und speziell über Ketamin zu sprechen – und ganz speziell über das, was wir damit vorhaben – hat Christina Christoph dazu Fragen gestellt, von denen wir gehört haben, dass sie Menschen interessieren. Christoph antwortet aus ärztlicher, aber auch aus hypnotherapeutischer Sicht darauf.
Du kannst Dir das Interview auch hier anhören – oder eben lesen. Viel Freude dabei.
Christoph, wir bieten bei „Ich bin Dein Zeuge“ psychedelisches Coaching für Paare an. Als Substanz nutzen wir Ketamin. Warum nicht etwas anderes?
Das erste ist der ganz einfache und legale Grund: Ketamin ist ein zugelassenes Medikament. Es wird in der Anästhesie seit Jahrzehnten verwendet, ist extrem sicher, funktioniert also auch weit ab von jedem klinischen Setting sehr, sehr gut in unserem oophina-Gästehaus.
Es hat aber noch einen weiteren Vorteil.
Es ist ein atypisches Psychedelikum. Ketamin wirkt nicht so universell und ozeanisch verbindend mit der Welt, sondern Ketamin dissoziiert. Das trennt uns von etwas. Es trennt uns von dem, was blöd ist. Und das ist eine ganz interessante Erfahrung, die unter dem Einfluss von Ketamin stattfinden kann. Nämlich, dass wie von außen eine Hand kommt und diesen Rucksack, diese Last einfach von Dir abnimmt und neben Dich stellt. Und in dem Moment spürst Du, in mir ist ja noch was. Ich bin ja noch jemand ohne diesen Schmerz. Ohne das, was so blöd ist. Deswegen wird es so gern verwendet bei Patienten mit Depression. Deswegen wird es gern verwendet bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung. Aber wenn Du mit der Idee hinkommst, dass da etwas ist, was als Last auf Dir drauf ist, dann funktioniert das selbstverständlich genauso. Wenn Du einfach fipsfidel bist und quietschvergnügt, dann ist Ketamin eine völlig langweilige Erfahrung für Dich. Wenn aber da etwas ist, was sich anfühlt wie eine Last auf Deinen Schultern, wenn Du Dir eine Hand wünschst, die diesen Rucksack hochnimmt und neben Dich stellt, dann ist Ketamin genau die richtige Wahl.
Aber das wünscht sich doch eigentlich jeder, oder? Dass da jemand kommt und den Rucksack nimmt?
Nur wenn du einen Rucksack spürst. Es kann ja sein, dass dein Leben sich nicht wie ein Rucksack anfühlt.
Warum bieten das dann so wenige an?
Vor allem diese Mischung aus dem, was wir machen, nämlich hypnotische Arbeit, Trance-Arbeit plus Ketamin. Dazu brauchst Du bestimmte rechtliche und fachliche Qualifikationen. Nun bin ich zufällig Anästhesist und das ist ein Anästhetikum. Das heißt, ich habe sehr viel Erfahrung damit gemacht. Nun bin ich zufällig Hypnotherapeut und habe damit viel Erfahrung gemacht. Aber ein Zufall?
Wir wissen, dass es Zufälle nicht gibt, aber dieses zufällige Zusammentreffen, diese Koinzidenz, das gibt es sehr, sehr selten in Deutschland. Ich kenne eine Handvoll Menschen, die das machen. Und ich kenne aber sehr viele, die sowohl hypnotherapeutisch arbeiten als auch möglich machen, dass man mit Ketamin arbeitet. In der Regel ist es so, dass die Menschen sich Psychologen, Anästhesisten dazukaufen müssen, um sowas für ihre Patienten zu ermöglichen.
Gibt es Gefahren von Ketamin?
So rein körperlich ist es so, dass jemand, der schon einen entgleisten Blutdruck oder der ein vorgeschädigtes Herz hat, für den kann das schon sein, wie starkes Treppensteigen. Das kann wirklich eine anstrengende Reaktion im Körper machen. Da kann ich es Dir nicht empfehlen.
Es kann aber – wie zum Beispiel Hypnose auch und genauso wie eine Psychotherapie auch – durchaus eine Erstverschlimmerung von Symptomen geben. Wenn Du in einer Ketaminreise feststellst, dass in Dir ein Schmerz ist, der so groß war, dass du ihn jetzt erst richtig siehst, dann kann sich die Zeit danach erstmal doof anfühlen.
Bei allen Psychedelika gilt, und das gilt auch für die atypischen Psychedelika wie Ketamin: das ist keine Therapie, sondern die psychedelische Reise sagt Dir, was Du in den nächsten Jahren in der Therapie bearbeiten kannst. Deswegen haben wir eine Vorbereitung gemacht und deswegen machen wir eine Nachbereitung. Das ersetzt nicht die komplette Auseinandersetzung mit deinen Themen, egal mit welcher Begleitung Du das machst. Es ermöglicht aber einen sicheren Zugang, vor allem einen sicheren emotionalen Zugang zu der Erfahrung. Ketamin ist kein Wollwaschgang, das ist mehr so Schleuderwaschgang. Das ist dann drin im Körper und dann arbeitet es erstmal. Und das dauert nur eine Stunde, bummelig, aber in der Stunde passiert viel.
Kann man süchtig werden davon?
Nein, nicht in der Art und Weise, wie wir damit arbeiten. Es gibt Menschen, die das rein als recreational drug verwenden. Das passiert in den großen Städten.
Wenn Du psychedelisch arbeitest, dann passiert da aus der psychedelischen Arbeit keine Sucht. Denn Sucht ist immer das Bedürfnis, mit einer Substanz oder einem Verhalten einen vorhersagbaren Zustand zu erreichen. Also ich bin gestresst, ich stelle mir zwei Bier ins Gesicht und ich weiß, ich bin dann entspannt.
Psychedelische Reisen sind aber unvorhersehbar. Du weißt nicht, was passiert. Und es kann sein, dass egal welche Substanz Du nimmst oder egal was Du machst, ob Du substanzfrei arbeitest, wie zum Beispiel mit Hypnose oder mit Breathwork oder Eisbaden oder Yoga: Du kannst nicht vorhersagen, wie es wird. Und es kann sein, dass Du eine mega lustige Erfahrung machst in der nächsten Stunde. Es kann sein, dass Du eine mega anstrengende Erfahrung machst. Aber dieses Grundthema der Sucht, nämlich ich möchte einen vorhersagbaren Zustand erreichen und dafür nehme ich jetzt irgendwas ein oder verhalte mich in irgendeiner Art und Weise, das funktioniert mit Psychedelika überhaupt nicht.
Und deswegen haben die ein erheblich niedrigeres Suchtpotenzial. Wenn Du in einer falschen Intention rangehst, kriegst Du mit allem eine Sucht hin, aber dann schaffst Du es auch mit Arbeiten oder mit Autoputzen. Du schaffst alles als Mensch. Das Risiko dafür ist aber sehr gering.
Okay, danke schon mal für die ganzen Antworten und Ausführungen. Jetzt mal ganz praktisch. Wie kann ich mir das vorstellen? Wie nehme ich das denn ein, das Ketamin?
Du nimmst nicht ein, es wird Dir gegeben. Und zwar wie bei einer Impfung. Es gibt drei grundsätzliche Wege, wie Ketamin üblicherweise medizinisch verabreicht wird.
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- Lutschpastillen (in Europa nicht sehr üblich, in Amerika schon.) Speziell hergestellte Lutschpastillen werden dann zu einem bestimmten Zeitpunkt gelutscht und ausgespuckt und dann ist gut.
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- intravenöser Tropfzugang, worüber dann gesteuert wird. Das machen sehr viele in Deutschland. Es ist wie eine Infusion mit Zusatz drin.
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- Das machen wir: Wie eine Impfung in den Oberarmmuskel. Eine ausgerechnete Dosis. Das hat einen ganz großen Vorteil gegenüber dem Schlucken: Du kannst was nachnehmen, weil die Wirksamkeit sehr gut sichtbar ist und Du dann zum bestimmten Zeitpunkt fragen kannst, ob jemand noch was braucht. Und dann nimmst Du einfach eine zweite saubere Spritze, zweite saubere Nadel und dann gibt es noch eine zweite Dosis, die dann kleiner ist.
Das kannst Du als Arzt natürlich alles gut verabreichen.
Ah ja, weil ich es halt schon tausendmal gemacht habe. Das gehört zur Arztschule dazu. Und dann hat es einen Vorteil gegenüber der Dauerinfusion. Es fühlt sich nicht ganz so nach klinischem Setting an. Das heißt, Du hast keinen Plastikschlauch in einer Vene drinstecken. Du hast kein Gerät neben Dir, was dann irgendwie einen Piepsalarm macht oder sowas. Sondern Du bekommst eben eine Menge, etwa wie bei einer Impfung, Pflaster drauf, zurücklegen und nach drei, vier Minuten fängt es an zu wirken. Und dann bist Du mit der Musik in dem Raum, auf der Matratze, zugedeckt bis unter die Nasenspitze und mit Deinem Partner neben Dir als Deinem Zeugen. Denn die einzelnen Journeys, die einzelnen Ketaminreisen sind bei uns zeitversetzt. Es ist so, dass einer am Vormittag auf Reise geht und der andere sitzt daneben und wir sitzen daneben. Und der andere macht es am Nachmittag. Und der, der vormittags gereist ist, ist am Nachmittag der Zeuge. Sodass also immer einer aus dem Paar da ist und dabei ist, eben Zeuge ist. Das ist die Idee von unserem Konzept.
Vielen Dank! Wenn Du als Leserin nun noch weitere medizinische Fragen hast, dann schick uns gerne eine Mail an christoph@oophina.com
Alles Liebe zu Dir.

